Kosmotik

不怕慢就怕站

Gehorsam

Mai
02

(…) Heute heißt der Hausmeister Facility-Manager und ist doch nichts weiter als ein Hausmeister. Man duzt sich im Großraumbüro, aber nur einer kann entlassen oder einstellen. Die kleine Angestelltenwelt, in der wir uns letztlich noch immer so einrichten wie vor fünfzig Jahren, hat durch zauberhafte Begriffs- und Umgangstonveränderungen den Schein erweckt, alles Spießbürgerliche abgestreift zu haben. Klar, die allerneuesten Ansichten über uns selbst sind fabelhaft fortschrittlich, keine Grenzen kennt das Geschlecht und die Mode keine Normen, aber der Knecht bleibt Knecht, und der Herr, so lächerlich er auch ist, bleibt Herr und untwirft sich im nächsten Augenblick seinem eigenen. Immer ist ja jemand mächtiger und zugleich alberner als man selbst. Selbst den blödsinnigsten, schlichtesten Filmen, in denen Funès mitspielte, ist eine negative Anthropologie eingeschrieben, die noch heute gilt. Wir dulden den Herrn, der uns knechtet, weil wir wissen, dass er selbst geknechtet wird, vielleicht sogar, wer weiß, ein klein bisschen mehr. Vielleicht nur deshalb gehorchen wir mit Lust.

– Adam Soboczynski in »Lustvolle Unterwerfung« (DIE ZEIT Nr. 18/2020)

Schleich di!

Nov
19

Da Preiß spricht oiwe den ganz’n Denkvorgang mit. Da Bayer gibt’s Ergebnis bloß bekannt.

– Portner in »Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben«

Toleranz

Jul
20

DUDDS

Jul
04

Wichtiger noch als neue iPhones zu jagen / Scheint es zu sein zu allem ’ne eigene Meinung zu haben / Die im Social Net in die Weiten zu tragen / Bei jeder Erscheinung Schwarz-Weiß-Unterteilung nach Sparten

4 Bars aus dem neuen, sehr experimentellen Album von JAW, die eine Frage widerspiegeln, welche ich mir mit Blick auf den politischen und gesellschaftlichen Diskurs im Netz in den vergangenen Wochen und Monaten zunehmend stelle. Ich habe das Gefühl, die „Netzgemeinde“ wartet häufig nurmehr auf Schlagzeilen, die den nächsten potenziellen Aufreger einläuten. Ursachen, Folgen und Zusammenhänge werden daraufhin, meist verkürzt, von Medien, Politikern und Bürgern gleichermaßen so schnell wie möglich in die sozialen Netzwerke und Kommentarspalten getragen, wo das Thema dann bis zur Erschöpfung mit viel Aggressivität und beeindruckender Vehemenz diskutiert, zerpflückt und seziert wird.

Ist es aber demgegenüber nicht auch ziemlich okay, vermeintliche Skandale und Krisen erst einmal stumm anzunehmen, sie mit Ruhe und Sorgfalt einzuordnen und deren Entwicklungen zu beobachten, anstatt möglichst unverzüglich Position zu beziehen und Personen oder Gruppen entweder zu idealisieren oder zu verteufeln? Das scheint mir zumindest im Hier und Jetzt eine ziemlich uncoole Herangehensweise zu sein.